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Besucher spazieren auf dem weitläufigen Gelände eines historischen Tempels im japanischen Kyoto.

Warum der Zweite Weltkrieg erst am 2. September 1945 endete

Von der Redaktion Beauty in Town | 2. September 2026

Auf dem Deck der USS Missouri in der Bucht von Tokio unterzeichneten Vertreter Japans und der Alliierten am 2. September 1945 die japanische Kapitulationsurkunde. Erst damit war der Zweite Weltkrieg auch im asiatisch-pazifischen Raum formell beendet – knapp vier Monate nach dem Kriegsende in Europa.

Für deutsche Leser ist deshalb eine Unterscheidung entscheidend: Der 8. Mai bezeichnet das Ende des Krieges in Europa. Der 2. September steht für den globalen militärischen Abschluss des Weltkriegs. Beide Daten sind richtig, beziehen sich aber auf unterschiedliche Kriegsschauplätze und historische Erfahrungen.

Der 8. Mai beendete den Krieg in Europa

Die deutsche Wehrmacht unterzeichnete am 7. Mai 1945 in Reims die bedingungslose Kapitulation. Sie trat am folgenden Tag um 23.01 Uhr mitteleuropäischer Zeit in Kraft. Eine weitere Unterzeichnung erfolgte in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai in Berlin-Karlshorst.

Damit endeten die organisierten Kampfhandlungen des Deutschen Reiches gegen die Alliierten. In Deutschland und vielen anderen europäischen Staaten gilt deshalb der 8. Mai 1945 als Tag des Kriegsendes. Wegen der Zeitverschiebung und der besonderen sowjetischen Erinnerungstradition wird der Sieg in Russland und mehreren postsowjetischen Staaten dagegen am 9. Mai begangen.

Der europäische Krieg war beendet, der Weltkrieg jedoch noch nicht. Japan kämpfte im Pazifik und in weiten Teilen Asiens weiter gegen die Vereinigten Staaten, China, Großbritannien und deren Verbündete. Millionen Soldaten und Zivilisten befanden sich weiterhin in einem aktiven Kriegsgeschehen.

Von der Potsdamer Erklärung zur Kapitulationsankündigung

Die letzten Wochen vor Japans Kapitulation waren von militärischer Eskalation und politischen Entscheidungen geprägt. Die wichtigsten Stationen zeigen, weshalb zwischen dem europäischen und dem globalen Kriegsende fast vier Monate lagen:

  • 26. Juli 1945: Die Vereinigten Staaten, Großbritannien und China veröffentlichen die Potsdamer Erklärung. Sie fordert Japans bedingungslose Kapitulation.
  • 6. August 1945: Eine US-Atombombe zerstört Hiroshima.
  • 8. August 1945: Die Sowjetunion erklärt Japan den Krieg; am folgenden Tag beginnt ihr Angriff auf japanisch kontrollierte Gebiete in Ostasien.
  • 9. August 1945: Eine zweite US-Atombombe trifft Nagasaki.
  • 14. August 1945: Japan erklärt seine Annahme der alliierten Kapitulationsbedingungen.
  • 15. August 1945: Kaiser Hirohito verkündet die Entscheidung in einer Rundfunkansprache an die japanische Bevölkerung.
  • 2. September 1945: Die formelle Kapitulationsurkunde wird auf der USS Missouri unterzeichnet.

Die Entscheidung Japans lässt sich nicht auf ein einziges Ereignis reduzieren. In der historischen Forschung werden sowohl die Atombombenabwürfe als auch der sowjetische Kriegseintritt, die militärische Lage und die politischen Beratungen innerhalb der japanischen Führung berücksichtigt.

Bekanntgabe und Unterzeichnung waren zwei getrennte Schritte

Am 15. August erfuhren Millionen Menschen, dass Japan die Kapitulationsbedingungen akzeptiert hatte. Die Kampfhandlungen sollten eingestellt werden, doch die rechtsverbindliche militärische Dokumentation folgte erst am 2. September.

Auf der USS Missouri unterzeichnete Außenminister Mamoru Shigemitsu für die japanische Regierung. General Douglas MacArthur unterschrieb als Oberbefehlshaber der alliierten Mächte; weitere Vertreter zeichneten für die beteiligten Staaten. Die National Archives and Records Administration bewahrt und erläutert die Kapitulationsurkunde.

Was die Kapitulationsurkunde regelte

Das Dokument hielt Japans Annahme der Potsdamer Erklärung fest und bestätigte die bedingungslose Kapitulation der japanischen Streitkräfte. Es verpflichtete die zuständigen Stellen dazu, die Kampfhandlungen einzustellen und den Anordnungen der alliierten Führung zu folgen.

Die Unterzeichnung war kein umfassender Friedensvertrag, sondern ein Instrument der militärischen Kapitulation. Die politische und rechtliche Nachkriegsordnung entstand erst in den folgenden Jahren. Der Friedensvertrag von San Francisco wurde 1951 unterzeichnet und trat 1952 in Kraft; zudem blieben einzelne territoriale und diplomatische Fragen umstritten.

Diese Unterscheidung erklärt, warum historische Darstellungen vom „Ende des Zweiten Weltkriegs“ sprechen können, obwohl nicht sämtliche Folgen des Krieges am 2. September erledigt waren. Das Datum markiert das Ende des organisierten Krieges zwischen Japan und den Alliierten, nicht das Ende aller Gewalt, Besatzung oder politischen Konflikte in Asien.

Warum mehrere Erinnerungstage nebeneinander bestehen

Erinnerungstage folgen nicht nur juristischen Dokumenten. Sie orientieren sich auch daran, wann eine Gesellschaft das Ende der Kämpfe erlebte, eine Nachricht erhielt oder einen politischen Umbruch vollzog.

In Deutschland steht der 8. Mai für die Befreiung vom Nationalsozialismus und zugleich für das Ende eines von Deutschland begonnenen Vernichtungs- und Eroberungskrieges. Zu den persönlichen Erfahrungen des Tages gehörten außerdem Verlust, Gefangenschaft, Flucht und der Beginn der Besatzungszeit. Diese Ebenen gehören zur deutschen Erinnerungsgeschichte, ohne den Charakter der Befreiung infrage zu stellen.

In Japan ist der 15. August als Tag der öffentlichen Kapitulationsverkündung besonders präsent. In den Vereinigten Staaten wird das Ende des Pazifikkrieges je nach Zusammenhang mit dem 14. beziehungsweise 15. August oder mit der Unterzeichnung am 2. September verbunden. China erinnert am 3. September an den Sieg im Widerstandskrieg gegen Japan.

Die Daten sollten daher nicht gegeneinander ausgespielt werden. Sie markieren verschiedene Etappen und Perspektiven: Kapitulation in Europa, Bekanntgabe der japanischen Entscheidung und formelle Unterzeichnung in der Bucht von Tokio.

Der 2. September setzt den globalen Schlusspunkt

Wer den 8. Mai als Kriegsende bezeichnet, meint gewöhnlich Europa. Wer vom 2. September spricht, betrachtet den Zweiten Weltkrieg in seiner globalen Ausdehnung. Der Abstand zwischen beiden Daten macht sichtbar, dass dieser Krieg kein einzelnes, überall gleichzeitig endendes Ereignis war.

Auch nach der japanischen Kapitulation begann nicht überall eine friedliche Zeit. Entkolonialisierung, Bürgerkriege, Besatzung und die Rückkehr von Millionen Gefangenen und Vertriebenen prägten die folgenden Jahre. Der 2. September bleibt dennoch der maßgebliche Tag der formellen japanischen Kapitulation – und damit das konventionelle globale Enddatum des Zweiten Weltkriegs.

Quelle: National Archives and Records Administration

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