2026-10-24 Aktuelle Nachrichten aus Deutschland, der Wirtschaft und der Welt.
Ein silberner VW und ein schwarzer BMW auf einer verschneiten Straße in Deutschland.

Winterreifen in Deutschland: Pflicht, Wechsel und Profil

Wer in Deutschland bei winterlichen Straßenverhältnissen fährt, braucht geeignete Winterreifen – eine feste Pflicht ab einem bestimmten Kalendermonat gibt es jedoch nicht. Planen Sie den Wechsel deshalb nach Wetter und Region: Die Faustregel „O bis O“ kann helfen, ersetzt aber nicht den Blick auf die Straßenlage und den Zustand der Reifen.

Wann Winterreifen gesetzlich vorgeschrieben sind

Die Straßenverkehrs-Ordnung schreibt eine situative Winterreifenpflicht vor. Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch sowie Eis- oder Reifglätte darf ein Auto nur mit geeigneter Bereifung unterwegs sein. Die Pflicht hängt also von den tatsächlichen Bedingungen ab, nicht allein von einem Datum oder der Jahreszeit.

Eine allgemeine Kalenderfrist, die den Wechsel etwa ab Oktober oder bis Ostern verlangt, steht nicht in § 2 StVO. „O bis O“ – von Oktober bis Ostern – ist eine verbreitete Planungshilfe. In höheren Lagen oder bei früherem Wintereinbruch kann ein Wechsel schon vorher sinnvoll sein; in milden Gegenden entscheidet ebenfalls die konkrete Wetterentwicklung.

Wer bei winterlichen Straßenverhältnissen mit ungeeigneten Reifen fährt, riskiert ein Bußgeld und kann bei einer Behinderung oder Gefährdung mit weiteren Folgen rechnen. Auch mögliche Auswirkungen auf die Regulierung eines Unfalls hängen von den Umständen des Einzelfalls ab. Bei Unsicherheit sollten Autofahrer die aktuelle Straßenlage prüfen und die Fahrt verschieben, statt sich auf eine vermeintliche Kalenderfrist zu verlassen.

Das Alpine-Symbol kennzeichnet geeignete Reifen

Achten Sie auf das Alpine-Symbol: ein Bergpiktogramm mit drei Spitzen und einer Schneeflocke. Reifen, die für winterliche Verhältnisse vorgeschrieben sind, müssen dieses Zeichen tragen. Die Bezeichnung „M+S“ allein genügt für neuere Anforderungen nicht.

Bei älteren M+S-Reifen galt eine Übergangsregelung. Diese endete am 30. September 2024. Seitdem müssen auch zuvor gekaufte Winter- und Ganzjahresreifen bei winterlichen Straßenverhältnissen das Alpine-Symbol haben. Prüfen Sie die Reifenflanke, bevor Sie sich auf eine ältere Kennzeichnung verlassen.

Winterreifen in Deutschland: Pflicht, Wechsel und Profil

Ganzjahresreifen können eine praktische Lösung sein, sofern sie das Alpine-Symbol tragen und zu Fahrzeug, Fahrleistung und Einsatzgebiet passen. Wer häufig bei Schnee unterwegs ist oder in einer Region mit längeren Frostperioden fährt, sollte besonders genau abwägen, ob ein spezialisierter Winterreifen besser zu den eigenen Bedingungen passt.

Profiltiefe und Zustand vor dem Wechsel prüfen

Die gesetzliche Mindestprofiltiefe in Deutschland beträgt 1,6 Millimeter. Das ist eine rechtliche Untergrenze und keine Empfehlung für möglichst sicheres Fahren im Winter. Mit weniger Profil können Reifen Wasser, Matsch und Schnee schlechter verdrängen; der Bremsweg und die Kontrolle über das Auto können dadurch beeinträchtigt werden.

Prüfen Sie vor der Saison alle vier Reifen an mehreren Stellen. Achten Sie auf ungleichmäßigen Abrieb, Risse, Beulen und Fremdkörper. Auch das Alter und die Lagerung spielen eine Rolle: Reifen können mit der Zeit an Elastizität verlieren, selbst wenn noch genügend Profil vorhanden ist. Bei sichtbaren Schäden oder Zweifeln sollte eine Werkstatt den Reifen beurteilen.

Kontrollieren Sie außerdem den Reifendruck nach den Angaben des Fahrzeugherstellers. Temperaturwechsel können den Druck beeinflussen. Nach dem Wechsel sollten die Radschrauben fachgerecht angezogen und – falls für das Fahrzeug vorgesehen – nach der empfohlenen Strecke nachkontrolliert werden.

So reagieren Sie auf einen plötzlichen Wetterumschwung

Wer noch mit Sommerreifen unterwegs ist und plötzlich auf Schnee oder Glätte trifft, sollte die Fahrt möglichst nicht antreten oder an einem sicheren Ort unterbrechen. Eine vorsichtige Fahrweise macht ungeeignete Reifen nicht zu Winterreifen und hebt die gesetzliche Pflicht nicht auf.

Winterreifen in Deutschland: Pflicht, Wechsel und Profil

Wenn sich die Wetterlage unterwegs verschlechtert:

  • Reduzieren Sie die Geschwindigkeit frühzeitig und vergrößern Sie den Abstand.
  • Vermeiden Sie abrupte Lenk-, Brems- und Beschleunigungsmanöver.
  • Halten Sie nur an einem sicheren, dafür geeigneten Ort an – nicht auf der Fahrbahn oder in einer unübersichtlichen Stelle.
  • Prüfen Sie Wetter- und Verkehrsmeldungen, bevor Sie weiterfahren.
  • Verschieben Sie die Fahrt, wenn die Strecke mit der vorhandenen Bereifung nicht sicher befahrbar ist.

Auch mit Winterreifen müssen Geschwindigkeit und Fahrweise zu Sicht, Temperatur und Straßenbelag passen. Winterreifen verkürzen nicht automatisch jeden Bremsweg und verhindern nicht jedes Rutschen.

Praktischer Plan für den Reifenwechsel

Orientieren Sie sich bei der Planung an der regionalen Wettervorhersage und daran, wann Sie regelmäßig fahren müssen. Vereinbaren Sie den Wechsel rechtzeitig, bevor der erste Kälteeinbruch Werkstätten stark auslastet. Prüfen Sie dabei das Alpine-Symbol, Profil und den allgemeinen Zustand aller Reifen.

Vor einer längeren Fahrt lohnt sich ein kurzer zusätzlicher Check: Sind die Reifen für winterliche Bedingungen geeignet, stimmt der Druck, und ist die Route voraussichtlich befahrbar? Die verbindliche Regel bleibt die Straßenverkehrs-Ordnung: Bei den dort genannten winterlichen Straßenverhältnissen sind geeignete Reifen erforderlich.

Quelle: Gesetze Im Internet

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